Pressestimmen
 

Was tun? Ein Festakt

"Das nicht Verwertbare, das Orgiastische: Protagonistin dieser Lebenshaltung ist die Lyrikerin und Performancekünstlerin Emmy Hennings, die spätere Frau von Hugo Ball, die hier im Mittelpunkt steht und von Yanna Rüger gespielt wird. Die schmeißt sich mit einer lasziven provozierenden Energie in die Rolle. "Ich lebe im Vielleicht" ist die Devise, nicht nur ihrer Kabarett-Darbietungen, sondern auch ihrer Männerbeziehungen. Und es ist egal ob diese Figur historisch korrekt gezeichnet ist, sie, nicht Lenin, ist der Motor der aufgekratzt ernsthaften Inszenierung von Friederike Heller."

13.1.2016 Christian Gampert, SWR 2

 

Metamorphosen

"Sie ist Daphne, die sich Windende, vor Apoll Flüchtende, die schliesslich als Lorbeerbaum Schutz findet vor seiner Begierde. Sie ist Narziss, der schöne Wassernymphensohn, der sich tödlich in sein Spiegelbild verliebt - und gleichzeitig ist sie Echo, seine unglückliche Verehrerin, die sich nach ihm verzehrt, bis von ihr nur noch die Stimme übrig bleibt. Sie ist Orpheus und Eurydike; sie ist Hermaphroditus und Salmakis – nichts ist verschlingender als die Liebe. Und Phaethon samt Vater Helios ist sie auch noch. Yanna Rüger hat sich Ovids "Metamorphosen" regelrecht anverwandelt, sich in sie hinein verwandelt. Wo die Mythengestalten leidenschaftlich fühlen, sieht man die versierte Actrise lustvoll spielen. Und tatsächlich macht der Soloabend dort am meisten Spass, wo Yanna Rüger am meisten spielt."

30.10.2014 Tagesanzeiger Zürich, Alexandra Kedves

Alpen

"Lanthimos' Film transportiert - im Verborgenen - mehr als nur die Botschaft von der Tragik ungelebten Lebens, zu dem Lana del Rey ("All you need") bei Kühnel den passenden Soundtrack liefert. "Alpen" ist, gespickt mit Namen berühmter Schauspieler, auch eine Hommage an die Schauspielerei selbst, an die Macht der Identifikation und ihrer Gefahren. Kühnel trägt diesen Subtext in seinem Stück mit, wenn er die Angehörigen der Toten von Laien spielen lässt, die den Alpen-Schauspielern auf der Bühne Regieanweisungen aus ihrem früheren Leben geben. Nicht alle wahren zu den Emotionen, welche die Angehörigen in sie hineinprojizieren, die nötige Distanz: Am Ende der Vorstellung stolpert Monte Rosa (Yanna Rüger), von der eigenen Gruppe verstossen, durch eine Gruppe von Laientänzern, und brüllt den Lebenden einstudierte Satzfetzen toter Menschen entgegen. Die Lebenden schenken ihr kein Gehör, und der Abend hat seine griechische Tragödin."

5.2.2015 Julia Stephan, Nachtkritik

 

Hundeherz

«Und weil der Mensch ein Mensch ist/drum braucht er was zu essen, bitte sehr!», singsangt die Spieldosenpuppe mit Bert Brecht und Hanns Eisler, nachdem sie zwei Stunden weiss geschminkt, in steifem Kragen und Reifrock-Gestell als altmodisch-futuristischer Automat durch die wild bewegte, laute und bildmächtige Inszenierung gewackelt ist (Kostüme Karoline Bierner). In der Pause bot die Puppe Spiegeleier an. Niemand mochte recht zugreifen – der gruselige, auf dem Videoscreen effektvoll herangezoomte Einblick in den Operationssaal blockierte den Magen: Mit Skalpell und Zange hatte sich der Professor über ein gehäutetes Kaninchen hergemacht und später dem Hund Scharik eine menschliche Hirnanhangdrüse eingesetzt, wobei sich in der Wunde eklige Würmer krümmten. Puppe Sina assistierte als Faktotum, wenn sie nicht gerade Eier briet, wie durch den halbtransparenten Bildschirm schemenhaft im Hintergrund zu sehen war. (...) Nur vier Schauspieler braucht Martins Beja für seine freie Umsetzung. Yanna Rügers steife Sina- Puppe sorgt als unheimliches Kunstwesen zwischen romantischem Mythos und Science Fiction für Irritation und setzt damit die Koordinaten: Dem Regisseur geht es weniger um gestern als um heute und morgen, künstliches Leben, klinischen Tod, Zombies, Cyborgs sowie andere Untote oder Halblebendige."

25.10.2013 Neue Zürcher Zeitung, Barbara Villiger-Heilig

 

Nora oder ein Puppenhaus

"Noras Freundin Christine mit schwarz verschmiertem Schnäuzchen und tiefer Furche auf der Stirn (Yanna Rüger), ohne Mann, Kinder und Aufgabe, sucht als dauerverfügbares Arbeitstier Sinn. (...) Überhaupt vergrössert die Regie von Heike M. Goetze den Schrecken des falschen Lebens im falschen ins Ungeheure. Ihre «Nora» ist ein düsteres, dramatisches Graffito, bevölkert von Schauspielern, die grandios über sich hinauswachsen."

08.05.2016 Tages-Anzeiger Zürich, Alexandra Kedves 

© 2016 by Yanna Rüger.